Heute war er also, der 9. Oktober. Als ich von der Holtwickerstraße aus zum Bahnhofvorplatz (heißt jetzt übrigens unpassenderweise „Roost-Warendin-Platz“) fuhr, sah ich zunächst nur eine riesige Kolonne von Polizeiwagen bis ich dann – nachdem ich mein Fahrrad am dafür vorgesehenen Ort abgestellt hatte und somit von der anderen Seite auf den Vorplatz zulief – hinter einem groß gebildeten Kreis von Polizisten auch ein paar Demonstranten entdeckte. Es waren wirklich nicht viele, vielleicht 50. Und alle in schwarz.
Sei schlau – schau Schluse-TV: WM-TV berichtet über die Demonstration
Alles fing an mit dem Vorlesen des Demonstrationsaufrufes, leider mit einem viel zu leisen Megaphon. Irgendwann liefen wir dann los – 50 Leute mit geschätzt 50 Polizisten daneben. Das ganze lief ab dann eigentlich ziemlich unspektakulär ab, es gab symphatische und weniger sympathische Passanten, es folgte wieder eine Rede mit dem viel zu leisen Megaphon, der hauptsächlich Polizisten zuhörten, und die ersten Reihen stimmten ihre Parolen an. An sich natürlich obligatorisch für eine Demonstration, aber liebe Veranstalter: Was hat das Thema „Militarisierung der Gesellschaft“ mit Sexismus und insbesondere Kommunismus zutun? Genau- nichts. Nächstes mal lieber vorher zum Thema passende Parolen ausdenken, von denen gab es nämlich nur eine, zumindest soweit ich das objektiv beurteilen kann… So erreicht man die restliche Bevölkerung nicht!
Soweit so gut, um kurz vor 7 war die Demo vorbei, die Gruppe löst sich auf. Anschließend wollte ich mir zusammen mit ein paar Freunden dann auch noch das angucken, wo gegen ich eben noch demonstriert hatte. Der Marktplatz, auf dem der Zapfenstreich stattfinden sollte, war schließlich für jeden Halterner Bürger zumindest bis zu den Absperrungen zugänglich. Als wir aber weiter in die Rekumerstraße hineingingen, und einer Gruppe Polizisten entgegenkamen, wurde uns von eben jenen der Eintritt verwehrt. „Demonstranten haben keinen Zutritt“ hieß es.
Es wirkt immer ein wenig komisch, wenn Polizisten Dinge sagen und machen müssen, für die sie als Privatpersonen nie einstehen würden. Aber dieser Herr hatte das mit dem Ernstbleiben schon einigermaßen drauf. Also ging es weiter, um es an einem anderen „Eingang“ in die Innenstadt zu versuchen. Auf dem Weg noch ein paar pöbelnde (Wahrscheinlich-)Nazis getroffen, mit denen wir aber außer dass sie uns vor die Füße gespuckt haben keinen großartigen Kontakt hatten. Bei der nächsten „Einlasskontrolle“ sind wir dann nach Beteuern, dass wir uns ganz sicher trotz unseres ach so alternativen Kleidungsstils nicht auf der Demonstration aufgehalten hatten, endlich in die Innenstadt gekommen.
Dort angekommen wurde in einem rennomierten Eis-Café Halterns Eis und Capuccino verspeist und sich die Anklage eines Mannes angehört, der uns versicherte „sowieso aufgeflogen zu sein“ und dass wir das mit dem Über-die-Absperrung-steigen lassen sollten. Hatten wir auch nicht vor, aber man ist, wie man aussieht, nehme ich an.
Bundeswehr-Busse parken vor dem örtlichen Schulzentrum
Nach einer Stunde Abstinenz am Ort des Geschehens, kamen ein übrig gebliebener Freund und ich pünktlich zu Beginn durch den gleichen Innenstadteingang wieder in die Innenstadt.
Nun hatten sich die meisten Polizisten die im Einsatz waren um den Marktplatz herum versammelt. Und das waren viele. Vor uns stand eine Gruppe von 7 Polizisten und es schien, als würden sie nur auf uns aufpassen. Relativ pünktlich kamen die Soldaten mit Blasmusik und brennenden Fackeln in die Innenstadt marschiert. Dort angekommen marschierten sie im abgesperrten Bereich noch ein bisschen weiter und trugen dabei so eine Art Trophäe, die von weitem haargenau aussah wie eine Shisha. Sollte wohl den Bundesadler darstellen, oder sowas…
Plötzlich kam von hinten Mister-Ich-besitze-keine-Integrität-Polizist, der uns zuvor des Platzes verwiesen hatte, ermahnte uns und erinnerte daran, dass er uns den Aufenthalt ja verboten hätte, ließ uns dann aber doch dort stehen mit der Aussage, dass er nichts gesehen hätte.
Es folgte Blasmusik. Mein Kumpel und ich klingelten bei dieser enthusiastisch mit unseren Fahrradklingeln mit und haben beide als Schlagzeuger auch ziemlich und zur Musik passende Einspieler hinbekommen. Dem kam zu gute, dass mein Kumpel eine Klingel hatte, welche beim Benutzen ein „Ping“ gemacht hat und meine ein „Ring-Ring“. Probiert das mal, da kann man ziemlich interessant klingende Taktkonstrukte mit erschaffen. Die Uns-ständig-beobachtende-Polizei hielt uns aber dazu an, damit aufzuhören, weil wir sonst … genau- des Platzes verwiesen würden.
Als wir nicht mehr klingeln durften, war uns die Zeremonie irgendwie etwas öde geworden. Und somit entschlossen wir zu fahren.
Kaum war mein Kumpel aufs Fahrrad aufgestiegen und zwei Meter gefahren, stoppte ihn ein Polizist, der anscheinend genauso gelangweilt war wie wir und hoffte, somit seine Langeweile kurz unterbrechen zu können. Er fuhr ohne Licht los, wollte es sofort während der Fahrt anmachen, kam dazu aber nicht, da der Polizist ihn ja schon vorher angehalten hatte. Zunächst lachten wir ihn beide aus, kann ja nur ein Scherz sein, sowas. Wir fragten, ob er nicht eigentlich dafür zuständig sei, die Veranstaltung zu bewachen. Er beteuerte, dass er und sein Kumpel genau DIE einheit seien, die normalerweise auch am Wochenende Streife fährt und eben für sowas zuständig ist. Entweder besaß dieser Polizist tatsächlich Integrität in seinem Job, so dass man ihn irgendwo auch als Arsch einordnen könnte. Oder er wollte vor seinen Kollegen den Harten markieren und schnell mal einen Jugendlichen zur Kasse bitten, ich weiß es nicht. Die Kasse, oder irgendein anderes Instrument im Polizeiwagen, war jedenfalls kaputt, weshalb die Barzahlung von 10 € nicht möglich war. Also muss er nun überweisen.
Zum Abschluss bleibt zu sagen: Ich habe nichts gegen die Polizei. Auch nichts gegen Friedenseinsätze in Afghanistan. Etwas gegen Nazis. Aber vorallem etwas gegen den heutigen Tag. Und eigentlich ist Integrität im Beruf ein Thema, über das man öfter schreiben könnte.
Gute Nacht!
Kommentare
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